Die Plastizität des Körpers

Die Faszien des Bindegewebes

 

Die Plastizität unseres Körpers ist abhängig von dem Zustand und der Ausrichtung der Faszien unseres Bindegewebes.

 

Faszien umhüllen alle Organe, Nerven, Muskeln und Knochen, die sie voneinander trennen und miteinander verbinden. So ist der Körper eine Konstruktion von Hüllen in Hüllen, ein globales federndes Spannungsnetzwerk.

 

Faszien bedeutet Hüllen. Faszien sind hochinerviert und können sich unabhängig von den Muskeln verspannen. 


Alle Haltungen, die wir langfristig einnehmen, bilden sich als Spannungsmuster in den entsprechenden Bereichen unseres Fasziennetzes ab. Sie weben sich dort ein.

Sie verspannen und verziehen das Netz und verschieben ihre Inhalte, z.B. die Muskeln. 

 

Die folgende Abbildung zeigt einen Querschnitt durch den linken Oberschenkel.

Ins linke Bein hineingeschaut Ins linke Bein hineingeschaut

 

Dieser Querschnitt erlaubt uns einen schönen Blick in die derben Häute der Faszien des linken Oberschenkels, die sowohl den ganzen Oberschenkel, wie auch alle Muskeln und Gefäße dort, einhüllen, miteinander verbinden und voneinander trennen.                                                                                                      

Der folgende Längsschnitt lenkt unseren Blick auf eine andere Funktion der faszischen Hüllen, nämlich darauf, dass sie Führungsröhren oder auch Laufschienen unserer Muskeln sind. 

Die Laufschienen der Muskeln im rechten Oberschenkel mit freundlicher Genehmigung des Rolf Institutes Die Laufschienen der Muskeln im rechten Oberschenkel mit freundlicher Genehmigung des Rolf Institutes

In ihrer Rolle als Führungsröhren der Muskeln sichern die Muskelfaszien unsere anatomisch vorgesehene Bewegungsrichtung. Können die Muskeln ihrer Anatomie entsprechend arbeiten, dann sind die Gelenke im Gleichgewicht und funktionieren reibungslos. SInd die Muskelfaszien verzogen, sind Gelenkprobleme vorprogrammiert.

Da jeder Muskel seine eigenen Wände, sprich: Hüllen besitzt, können die Muskeln auch unabhängig voneinander aneinander vorbeigleiten. Auf diese Weise können Bewegungsabläufe differenziert und ökonomisch d.h. mit geringstem Kraftaufwand durchgeführt werden. 

Wirken Bewegungsabläufe dagegen schwerfällig und anstengend, dann sind die Hüllen gewöhnlich verklebt und arbeiten nicht an ihrem vorgesehenen Platz.

 

Das folgende Bild zeigt den oben angeführten Querschnitt des linken Oberschenkels jetzt im Zusammenhang mit einer fortschreitenden Auswärtsdrehung desselben Beines. Oberschenkelmuskeln, Knie und Füße zeigen dabei mehr oder weniger stark nach außen, wie bei vielen Sportlern beobachtet werden kann.    

Die Fasern der Beinfaszien orientieren sich dabei zur Kreuzbeingegend hin, dem Ort der Anspannung. Sie verankern sich dort und verdichten sich am Knochen und formen nicht selten dort kleine Wulste.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Nylonstrumpfhose an und ergriffen diese mit beiden Händen am vorderen Rand links und rechts in Höhe des Bauchnabels. Sie zögen sie dann nach hinten zum Kreuzbein und fixierten sie dort.

Die Auswirkungen einer solchen von vorne seitlich nach hinten verdrehten und verzogenen Strumpfhose wären dann bis zu den Füßen hin sichtbar und spürbar. Hier nun die Bilder mit der Auswärtsdrehung der Beine.

Verformung des linken Oberschenkels bei Auswärtsdrehung Verformung des linken Oberschenkels bei Auswärtsdrehung

 

In diesem Bild soll veranschaulicht werden, wie die Haltung eines chronisch angespannten Hinterns die Muskelhüllen der Beine verformt und an anatomisch nicht vorgesehenen Positionen arbeiten lässt. Strecker und Abduktoren wandern nach außen/hinten und Beuger und Adduktoren nach innen/vorne. Hüftprobleme sind dabei vorprogrammiert.                    

Ähnliche Verhältnisse finden sich auch in den Armen und Schultern wieder und es ist erstaunlich zu beobachten, wie viele Probleme in Schulter und Ellbogen sich einfach dadurch verbessern lassen und auch verschwinden, sobald die Verspannungen in den Schultern gelöst und die Führungsröhren der Armmuskeln wieder an ihren anatomisch vorgesehen Platz arbeiten können.

Hier kann allgemein angemerkt werden, dass überall dort, wo gezieltes Muskeltraining nicht den gewünschten Erfolg bringt, die anatomische Position von Ansatz und Ursprung der Führungsröhren dieser Muskeln in Betracht gezogen werden sollte. Werden diese wieder an ihren vorgesehenen Platz gebracht, worauf Rolfing abzielt, können sie auch wieder erfolgreich trainiert werden.


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